Was ist virtuelles Wasser?

Virtuelles Wasser bezeichnet das gesamte Wasser, welches zur Herstellung von Produkten oder Dienstleistungen verwendet wird. Und dieser Wert ist regional sehr unterschiedlich: In regenreichen Regionen ist beispielsweise der Wasserverbrauch für den Anbau von Baumwolle geringer (1 kg Baumwolle aus den USA = 2.200 l) als in Trockengebieten (1 kg Baumwolle aus Argentinien = 7.700 l).

Einige Beispiele: Durchschnittlich 140 Liter Wasser braucht es, um eine Tasse Kaffee zu erzeugen und rund 10 Liter Wasser für ein DIN-A4-Blatt Papier à 80 g/m². Für ein Kilo Geflügelfleisch werden ca. 3.900 Liter Wasser aufgewendet, für ein Kilo Schweinefleisch ca. 5.500 Liter Wasser und für ein Kilo Fleisch vom Rind sogar ca. 16.800 Liter Wasser.

Problematisch ist, dass nicht alle Güter die in einem Land verbraucht werden, auch dort produziert werden. So importiert Deutschland deutlich mehr virtuelles Wasser, als es exportiert (69% vs. 31 %; Quelle). In der weltweiten Bilanz gehört Deutschland sogar zu den drei größten Importeuren von virtuellem Wasser.

Wasserfußabdruck von Deutschland

Der tägliche Wasserverbrauch in Deutschland liegt bei weniger als 125 Liter pro Person für baden, duschen, putzen, kochen, etc.. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn in dieser Angabe fehlt das virtuelle Wasser. Der gesamte Wasserfußabdruck Deutschlands inklusive virtuellem Wasser beträgt rund 117 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr. Das entspricht einem täglichen Wasserverbrauch von mehr als 3.900 Litern pro Kopf.

Die virtuellen Wasserfußabdrücke der reichen Industrienationen haben Folgen für Entwicklungsländer. Denn diese exportieren meist mehr virtuelles Wasser durch landwirtschaftliche Produkte. Zu den Folgen zählen neben Verknappung der Trinkwasserressourcen auch Rodung, Versteppung, Versalzung, Verlust biologischer Vielfalt, soziale Unruhen sowie die Zunahme von Landlosen und Migranten. Wenn 2050 ungefähr 10 Milliarden Menschen einen annähernden Lebensstandard wie wir heute erreichen wollen, wird unsere Welt nicht genug sein! Außer, wir ändern unser Verhalten … und pflanzen Trinkwasserwälder.