von Kirsten vom Heu, Projektplanung bei Trinkwasserwald® e. V.

Bereits am ersten Earth Day 1970 beteiligten sich 20 Millionen Menschen mit Umwelt-Aktionen. 2009 wurde dann auf Vorschlag Boliviens der 22. April offiziell von der UN-Generalversammlung zum „Internationalen Tag der Mutter Erde“ erklärt. An diesem Tag gedenken weltweit Menschen und Organisationen der Mutter Erde, ihrer Ökosysteme, prangern ihre Zerstörung an und überdenken den Einfluss, den ihr Lebensstil und Konsum auf sie haben.

Für mich, die ich am Rande der Großstadt aufwuchs, mit freiem Zugang zu Wäldern, Ponyhöfen und Nachbaren, die sich durch eigenen Obst- und Gemüseanbau fast selbständig versorgten, ein wichtiger Tag. Leben und arbeiten in und mit der Natur – säen, ernten, einkochen, Heuernte, Ställe ausmisten, Pferde striegeln und Hasen füttern – nahmen damals viel Zeit und Raum ein und vermittelten mir Halt. Geborgenheit. Die Erde, die mich damals erfahrbar ernährte und trug, schenkt mir eine ganz andere Sicherheit, als sie mir heute mein monatlicher Lohn, meine Stadtwohnung und mein gefüllter Kühlschrank vermitteln. Mutter Erde war damals und ist heute wichtig für mich.

Wenn ich mich jetzt gedanklich Mutter Erde zuwende, erinnere ich mich an diese Erfahrungen und frage mich, wie es denn Mutter Erde, die uns alle trägt und ernährt, gerade geht.

Natürlich kommt mir dann als erstes dieser doofe Witz in den Sinn: Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: „Du siehst aber schlecht aus!“. Der andere: „Ja, mir geht’s auch nicht gut, ich habe Homo Sapiens“. Sagt der erste: „Mach‘ dir nichts draus, das hatte ich auch mal, das geht vorbei!“. Lachen kann ich über den Witz schon lange nicht mehr.

Vor knapp einem Monat legte in Kolumbien, auf der Konferenz zur Artenvielfalt, der UN-Rat zur Biodiversität (IPBES) einen umfassenden Bericht vor. Drei Jahre lang hatten 550 Experten aus über 100 Ländern über 3.000 Studien zu dem Thema ausgewertet. „Wir müssen handeln, um den nicht nachhaltigen Umgang mit der Natur zu stoppen und umzukehren. Die Zeit zu handeln, war schon gestern oder am Tag davor“, so IPBES-Chef Sir Robert Watson. Die wachsende Weltbevölkerung, steigender Konsum, zunehmender Verbrauch von Rohstoffen und mit ihnen die Vernichtung ganzer Ökosysteme führen zu einem erneuten Massensterben. Und da die Vielfalt des Lebens die Grundlage für unser Essen, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und gute Luft zum Atmen ist, ist mit ihrem bedrohlichen Schwund auch unser Leben in Gefahr:

Nord/Südamerika heute: 95 Prozent der Prärielandschaften wurden seit der Kolonisierung in agrarische Monokulturen verwandelt, 17 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört und seit 1960 verdoppelte bis verdreifachte sich die ökologische Belastung durch den Menschen.

Afrika in Zukunft: Bis 2100 wird ein Verlust von 50 Prozent der Vogel- und Säugetierarten und eine Abnahme der Produktivität der großen Seen um 20 bis 30 Prozent erwartet, während sich die Bevölkerung voraussichtlich auf 2,5 Milliarden verdoppeln wird.

Asien/Pazifik heute: Durch intensive Landwirtschaft und Palmölplantagen hat Südostasien bereits 13 Prozent des Waldes verloren. Ganze 37 Prozent der Pflanzen- und Tierarten im und am Wasser sind vom Aussterben bedroht und acht von zehn Flüssen haben die weltweit höchste Plastikverschmutzung.

Europa/Zentralasien heute: Ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche der EU ist von Erosion betroffen. Seit 1990 ist die Verfügbarkeit von Wasser um 15 Prozent verringert. Alleine im letzten Jahrzehnt haben sich die Fischarten um 71 Prozent und die Amphibienarten um 60 Prozent verringert.[1]

Was wir in dieser Zeit ganz und gar nicht gebrauchen können, sind Nationalstaaten, die mit ihren geostrategischen Eigeninteressen die Welt an den Rand eines dritten Weltkrieges bringen und darüber hinaus durch ihr völkerrechtswidriges Vorgehen die UN schwächen. Immerhin stehen wir gerade vor Herausforderungen, die nicht länger national, sondern nur noch global und miteinander zu regeln sind. Oder kann sich noch irgendjemand vorstellen, dass sich ein einzelnes Land den Folgen des Klimawandels, der Verschmutzung der Meere und dem Schwund der Arten entziehen kann? Im Alleingang? Unmöglich! Wer stattdessen im Alleingang seine Pfründe beziehungsweise sein Öl sichert, hat entweder schon seine Villa auf dem Mars oder ist mit einer untragbaren Kurzsichtigkeit gestraft. Wie aber eine Entwicklung aussehen kann, die die Ökosysteme unserer Mutter Erde als auch die Spezies Homo Sapiens erhält, wird bereits in der UN Agenda 2030 (hier die Agenda 2030 und ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung als PDF zum Nachlesen oder hier in kürzerer Form bei Wikipedia) skizziert. Die Umsetzung leisten müssen alle. Gemeinsam! Auch dazu brauchen wir die UN.

Was wir tun können? Der Einzelne? Für Mutter Erde? Alles, was den ökologischen Fußabdruck verkleinert und den Ressourcen- und Energieverbrauch reduziert. Und davon jeden Tag ein bisschen und am nächsten Tag noch ein bisschen mehr. Immerhin müssen wir Deutschen bis 2050, wenn uns denn daran liegt die Klimaerwärmung unter 2 Grad zu halten, von jährlich 12,5 T CO2 pro Person runter auf eine Tonne CO2. Das heißt, unseren Konsum reduzieren, für den zurzeit Agrar- und Verbrauchsgüter importiert werden, deren Herstellung knapp 80 Millionen Hektar und damit mehr als die doppelte Fläche Deutschlands benötigen. Die Nachfrage ist groß: Wir essen knapp 60 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr und mit den 530 PKWs auf 1.000 Einwohnern, von denen jeder fünfte neu angemeldete ein SUV ist, bestreiten wir im europäischem Vergleich Platz eins. Zwar trennen wir bei all dem Konsum so besessen wie kein anderes Land unseren Abfall, aber wir produzieren mit 453 Kilo pro Kopf und Jahr auch den meisten Müll Europas.[2] Das ist zu viel.

Was wir noch tun können? Wir können in unserem Garten, an Wegesrändern und in Grünanlagen wieder der Natur mehr Raum geben. Wildkräuter, dornige Hecken und fruchttragende Büsche, Wildblumen und Co. schaffen Lebensraum für viele Arten. Das ist schon einmal ein Anfang.

Was wir als Verein Trinkwasserwald tun? Nach wie vor standortgerechte Laubbäume pflanzen. Ganz einfach: gut fürs Wasser, fürs Klima, den Boden und die Artenvielfalt. Und deswegen auch gut für uns.

[1] Quellen: taz Verlags u. Vertriebs GmbH (Hg.), Bernhard Pötter: „Artenschutz für den Homo sapiens“, 28.03.18, und „Raubbau ist ein mieses Geschäft“, 25.03.18

[2] Kathrin Hartmann, „Aus kontrolliertem Raubbau“, Blessing Verlag 2015

Kirsten vom Heu

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