Autor: Andreas Beck *

Am Ende eines langen Tages schauen zufriedene Gesichter in die Kamera, als man für ein Gruppenfoto zusammenrückt – und es sind sehr viele Gesichter: ca. 80 Kinder und 120 Erwachsene stehen im Halbrund und winken. Alle haben Matsch an den Schuhen, an der Kleidung und an den Händen, das tut der guten Laune aber keinen Abbruch.

Denn sie sind zu Recht stolz auf das gemeinsam Geschaffte: etwa 6.000 Roteichen-Setzlinge wurden vom 07. – 9.11.19, von ihnen gepflanzt. Ehrenamtlich, das muss man dazu sagen. Tatort: der Gemeindewald von Wehrheim im Taunus. Organisiert wird das Ereignis einerseits vom gemeinnützigen Trinkwasserwald e.V. mit Sitz in Hamburg und Christine Schwake, die für die Deutsche Bank AG bundesweit den freiwilligen Einsatz ihrer Kolleg/innen koordiniert.

Denn der Großteil der Erwachsenen arbeitet im „wirklichen Leben“ für die Deutsche Bank am Standort Frankfurt. Besonders engagiert sind das Väternetzwerk und die Abteilung „Communications & Corporate Social Responsibility“ der Deutschen Bank AG. Einzelne ehrenamtliche Waldschützer/innen haben sich ihnen angeschlossen. Sie alle haben je einen Tag im Wald verbracht, um etwas für die Zukunft dieses Ökosystems zu tun. Dort, wo extreme Trockenheit und der Borkenkäfer die Fichtenbestände in den beiden vergangenen Sommermonaten drastisch vernichtet haben, werden nun Roteichen gepflanzt, um den Taunus-Wald auf die Folgen der Erderwärmung vorzubereiten. „Ein Baum, den wir heute pflanzen, soll mindestens 150 Jahre alt werden,“ sagt Bhavana Kaiser, Försterin beim Forstrevier Wehrheim. „Aber niemand weiß, welche klimatischen Bedingungen dann herrschen werden. Die Roteiche kommt mit trockenen Sommern gut zurecht – vielleicht sind unsere Ur-Ur-Enkel froh, dass wir diese Bäume heute pflanzen.“

Nach einer herzlichen Begrüßung am Rande der Pflanzfläche werden Teams gebildet, die nach kurzer Einweisung mächtig loslegen. Viele Deutsch-Bänker/innen wissen schon aus den Vorjahren, wie das Bäumepflanzen geht, die anderen lernen es schnell. Und so sieht die anfangs sehr trostlos wirkende Waldschneise schon bald sehr hoffnungsvoll aus: Hunderte kleine Baumsetzlinge recken ihre Köpfchen in den Herbsthimmel und werden im nächsten Frühjahr ihren Wettlauf um das Licht beginnen. Die Luft ist erfüllt vom Lachen und den fröhlichen Gesprächen, vom Sausen der Spaten und den Rufen der Kinder, die entweder mithelfen oder das Spielangebot im Wald genießen.

Für diejenigen, die zum ersten Mal bei einem solchen Einsatz dabei sind, bietet Heiner Rupsch noch einen besonderen Programmpunkt an: Der 1. Vorsitzende des Trinkwasserwald e.V. entführt für eine Stunde in die „Erlebniswelt Wald“. Was sieht, hört, riecht, fühlt man, wenn man sich einen Moment der Ruhe im Wald nimmt? Für Groß und Klein gibt es unendlich viel zu entdecken. Mit Begeisterung berichten vor allem die Kinder davon. Nach der Mittagspause geben die Ehrenamtlichen nochmal alles: Wie die Ameisen wimmeln alle durcheinander; wühlen und pflanzen Hand in Hand. Und dann finden sich alle zur Abschlussrunde und dem Gruppenfoto zusammen. Heiner Rupsch vom Trinkwasserwald e.V. sagt lobend: „Die 6.000 Bäume werden in Zukunft jährlich bis zu 1,2 Mio. Liter Trinkwasser für die Region bereitstellen.“ Christine Schwake bindet charmant die anwesenden Kinder ein und stimmt Groß und Klein auf weitere Pflanztage ein „Seid ihr nächstes Mal wieder dabei? – Jaaa!“ Und Försterin Kaiser bedankt sich wie folgt: „Wenn wir Forstprofis mit solchen Flächen konfrontiert sind, die vom Borkenkäfer verwüstet wurden, macht uns das ganz ratlos. Aber wenn wir erleben, wie viele Ehrenamtliche hier kräftig zupacken und so viel leisten für den Wald der Zukunft, dann gibt uns das ganz viel Motivation und Zuversicht!“

* Trinkwasserwald e. V. dankt Andreas Beck für diesen schönen Gastbeitrag.

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