von Heiner Rupsch, 1. Vorsitzender Trinkwasserwald® e. V.

Reflexionen zum Internationalen Tag des Waldes 2018

Als ich Anfang der sechziger Jahre als kleiner Junge von sechs Jahren über gefällte Fichtenstämme balancierte, war dies für mich eine fröhliche Geschicklichkeitsübung in freier Natur, gleich auf der anderen Seite unserer Straße.

Ich entdeckte dabei Waldarbeiter, die am Lagerfeuer unter freiem Himmel, auf dem Waldboden auf Fichtenzweigen sitzend, ihre Arbeitspause machten.

Es roch nach Feuer und frischem Fichtennadelduft, der von den Rinden des geschälten Holzes in meine Nase stieg. Es war für mich eine herrliche erste Begegnung mit der Holzernte. Beglückende Faszination im kleinen Abenteuer der so großen Welt. So erlebte ich damals meine Gefühle.

Tage später habe ich gesehen, wie das Holz, noch mit Pferd und Wagen, durch den Ort transportiert wurde, um es beim Sägewerk, ebenfalls in meinem kleinen Dorf, abzuladen. Das Holz wurde hier zu Brettern und anderer Handelsware geschnitten, die ebenfalls würzig duftete. Im Frühjahr des folgenden Jahres pflanzten Pflanzfrauen junge Bäumchen auf die zuvor kahl geschlagene Waldfläche. Alle Sinne haben damals mein Wissen in mir geankert und mir die Bedeutung des Waldes für Mensch und Natur „erklärt“:  Geben und Nehmen müssen im Einklang stehen, heute betiteln wir dieses Handeln wissenschaftlich als Nachhaltigkeit.

Bewusstsein – Garant zum Schutz des Waldes

Im Jahre 2018 sind derartige Erlebnisse im Zyklus des Jahres von Kindern und Jugendlichen zumeist nicht mehr erleb- oder fühlbar. Das emotionale Wissen ist durch zahlreiche Entkoppelungen in unserem Lebensalltag von der Urproduktion verloren gegangen. Mein Credo lautet daher: „Menschen können mit ganzer Kraft nur das bewahren und befördern, was sie als Wert nicht nur rational, sondern auch emotional als Wert erkannt und geankert haben.“

Der Rohstoff Holz wird den Verbrauchern aus Wäldern und Plantagen geliefert. Diese Zusammenhänge sind jedoch oft nur rudimentär in urbanen Gesellschaften bekannt. Die Bedeutung der Wälder muss jedoch im kollektiven Bewusstsein, weit über das ökonomische Momentum – der Wald ist Holzlieferant – hinausgehen. Bewusstlosigkeit und Raffgier haben daher in zahlreichen Ländern der Welt zurückliegender Jahrzehnte Waldverlust und Artenschwund befördert. Erfreulicherweise ist die Schwindsucht der weltweiten Waldflächenverluste in den Jahren von 2010 bis 2015 proportional rückläufig.

Weltweit bedarf es daher maximaler Anstrengungen, Menschen über Wissenstransfer und praktischen Erfahrungen in Projekten zu berühren, dass es sich lohnt, den Wald zu bewahren und sich dafür einzusetzen, den Wald auch von der Fläche zu mehren.

Dies liefert der Wald kostenlos

Der Wald als Ort und Reservoir für Artenvielfalt, als kühlende Klimaanlage der Dörfer, Städte und für die ganze Welt. Gleichzeitig bedarf es zahlreicher Bewusstseinstrainings die Früchte des Waldes wie Holz, Wild, Pilze und Kräuter nach regional nachhaltigen Regeln auch nutzen zu dürfen.

Innovation, Renaissance und neue Werte

Ziel muss es sein, die Sicherheit und Selbstverständlichkeit, wie wir sie heute im Umgang mit digitalen Medien in nahezu allen Generationen erleben, in eine neue Balance zu lenken.

Die andere Seite der Waage der von der Urproduktion entkoppelten technischen Welt ist das Kennenlernen, Wissen und Wertschätzen von dem, was uns nährt. Der Wald nährt uns vielschichtig. Er ist die Sauerstoff- und Trinkwasserfabrik, der mythologische und mystischen Raum, die Welt unserer Artenvielfalt und ein unablässiger Lieferant für den umweltfreundlichen Werkstoff Holz. Kurz: Der Wald ist das erfolgreichste Management der Welt.

Wald ist grünes Gold

Entscheidungsträger, Manager, jeder Bürger (jeder Bürger ist ja ein Entscheidungsträger), Schüler und Jugendliche sind daher in Schulungs- und Bewusstseinsprozesse einzubinden, die erkennen lassen, „Wald ist mein grünes Gold“. Für mich, für das Dorf und meine Stadt.

Manager, Mitarbeiter und Praktikanten der Deutschen Bank, der Porsche AG oder der Beiersdorf AG beginnen, oder sind bereits seit mehreren Jahren gemeinsam mit Trinkwasserwald® e.V. auf diesem Weg, über Projekte und Schulungskonzepte im Wald in Deutschland, Wald für sich als Grünes Gold zu erkennen. Diese Schritte lassen in mir Hoffnung wachsen, dass der Wald und die Welt für unsere Kinder eine Zukunft haben kann, viele weitere Projekte müssen dafür jedoch folgen.

Heiner Rupsch

Heiner Rupsch

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