Virtuelles Wasser

Der tägliche Haushaltswasserbedarf in Deutschland ist auf weniger als 125 Liter pro Person zurückgegangen (1990: 145 l pro Person) – dank bewussterem Verbraucherverhalten, sparsamer Armaturen und optimierter Haushaltsgeräte. Doch ist das nur die halbe Wahrheit. Denn in dieser Angabe fehlt das virtuelle Wasser, das beschreibt, welche Menge Wasser in einem Produkt oder einer Dienstleistung enthalten ist oder zur Herstellung verwendet wird.

So braucht es beispielsweise 11.120 Liter Wasser, um einen Liter Kaffee zu erzeugen. Hinter einem DIN-A4-Blatt Papier à 80 g/m² stecken rund 10 Liter Wasser. Für die Erzeugung von einem Kilo Hühnerfleisch werden ca. 3.900 Liter Wasser benötig, für ein Kilo Schweinefleisch ca. 4.800 Liter Wasser und für ein Kilo Rindfleisch ca. 15.000 Liter Wasser.

Hinzu kommt, dass die Wasserverbrauchsbilanz von Region zu Region unterschiedlich ist: Der Wasserverbrauch für den Anbau von Baumwolle ist in regenreichen Regionen logischerweise geringer als in Trockengebieten: Für die Erzeugung von einem Kilo Baumwolle in den USA werden 2.200 Liter benötigt. In Argentinien werden für die gleiche Menge Baumwolle hingegen 7.700 Liter Wasser verbraucht.

Problematisch dabei ist, dass längst nicht alle Güter, die in einem Land verbraucht werden, auch in diesem Land produziert werden. So exportiert Deutschland virtuelles Wasser, das in der Industrieproduktion verbraucht wird und importiert virtuelles Wasser in Form von  Agrarprodukten, wie zum Beispiel Baumwolle. In der weltweiten Bilanz gehört Deutschland zu den zehn größten Importeuren von virtuellem Wasser. Aus dem virtuellen Wasser der importierten Güter abzüglich des virtuellen Wassers für Exportgüter ergibt sich der virtuelle Wasserfußabdruck eines Landes: In den USA beträgt er 2.483 Kubikmeter und in Deutschland 1.545 Kubikmeter pro Kopf und Jahr – das sind pro Tag 6.802 Liter (USA) bzw. 4.230 Liter (Deutschland) Wasser.

Die virtuellen Wasserfußabdrücke der reichen Industrienationen haben Folgen für Entwicklungsländer, die meist mehr virtuelles Wasser durch landwirtschaftliche Produkte exportieren. Zu den Folgen zählen neben Verknappung der Trinkwasserressourcen auch Rodung, Versteppung, Versalzung, Verlust biologischer Vielfalt, soziale Unruhen sowie die Zunahme von Landlosen und Migranten.

Wenn 2050 ungefähr 10 Milliarden Menschen einen annähernden Lebensstandard wie wir heute erreichen wollen, wird unsere Welt nicht genug sein! Außer, wir ändern unser Verhalten.