Sauberes Wasser für eine gesunde Welt

von Heiner Rupsch, 1. Vorsitzender Trinkwasserwald® e.V.

Die Wasserqualität ist neben der mengenmäßigen Verfügbarkeit der Schlüssel für menschliche Gesundheit und gesunde Ökosysteme. Jedes Jahr sind Krankheiten, die durch schlechte Wasserqualität hervorgerufen werden, Ursache für den Tod von mehr als 1,5 Mio. Kindern!

Die schleichende und akute Verschmutzung unseres Wassers stellt eine Gefährdung für Mensch und Natur dar. Die Verfügbarkeit von sauberem Wasser wird durch die Folgen des Klimawandels dabei noch verschärft. „In unseren Wasserressourcen tickt eine Zeitbombe“, erklärte Prof. Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). „Um diese zu entschärfen müssen wir auch mehr Naturschutz an und in unseren Gewässern zulassen“.

Grundwasser hat ein Langzeitgedächtnis

Alle Gifte, die vom Oberflächenwasser in das Grundwasser gelangen, erreichen irgendwann tiefe Grundwasserstockwerke, die dann von der Wasserversorgung angepumpt werden, um später in unseren Wasserhahn transportiert zu werden.

Grund- und Oberflächenwasser sind durch menschliche Einflüsse starken Belastungen ausgesetzt. Zunehmende Flächenversiegelung vermindert darüber hinaus die natürliche Grundwasserneubildung. Unzureichender oder fehlender Gewässerschutz ist in vielen Regionen der Erde die Ursache für die dramatische Verunreinigung von Flüssen und Seen und auch des Grundwassers. Auch heute ist z. B. der krebserregende Chorkohlenwasserstoff Atrazin, bekannt aus dem Maisanbau, immer noch in zahlreichen Tiefenbrunnen nachzuweisen, obwohl das Pestizid in Deutschland schon seit ca. 15 Jahren nicht mehr in der Landwirtschaft eingesetzt wird.

Damit das Trinkwasser, unser „Lebensmittel Nr. 1″, einwandfrei aus dem Wasserhahn fließen kann, muss es mittlerweile mit hohem Aufwand aufbereitet und von unerwünschten Stoffen befreit werden.

Intakte Naturräume – Grundlage für gutes Grundwasser

Vitale, intakte Landschaften mit ihren natürlichen Lebensraumstrukturen sind der Garant für einen funktionierenden Wasserhaushalt. Sie müssen daher unbedingt erhalten bleiben, geschont oder wieder hergestellt werden.

Gutes, sauberes Wasser ist lebenswichtig. Wir Menschen bestehen aus etwa 70 % Wasser. Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutiv Direktor des UN-Umweltprogramms prognostiziert, „das mit zunehmender Weltbevölkerung die wasserreichen Regionen unser Lebenselixier mit den wasserarmen Regionen teilen müssen.“ Mit anderen Worten, im Zeichen des fortschreitenden Klimawandels, der rasant ansteigender Weltbevölkerung und weiter wachsenden Märkten verändern sich soziale, ökonomische und ökologische Balancen. Sauberes Wasser wird dabei die Leitressource sein.

Gutes Wasser ist kein Zufall

Unser hochwertiges Wasser wird aus Tiefenbrunnen gefördert. Wasser, das zum Teil vor mehr als hundert Jahren in Form von Regen und Schnee auf den Böden versickerte. Die Luft, die Umwelt und der Regen waren damals viel unbelasteter als heute. Der Regen von vor hundert Jahren ist heute das Wasser in unserem Wasserhahn, unser wertvolles „Tafelsilber“.

Natürliche Wälder – ein Garant für gesundes Trinkwasser

Ein Großteil des Trinkwassergewinnungsgebietes ist vom Kiefern- und Fichtenwald bewachsen. Für die Neubildung von quantitativ und qualitativ hochwertigem Grundwasser haben derartige Wälder besonders ungünstige Strukturen.

In Nadelwäldern bleibt im Winterhalbjahr viel Regen an den Nadeln haften und verdunstet, ohne in das Grundwasser zu gelangen. Zugleich entwickelt sich unter Kiefernwald eine starke Vergrasung, die ebenfalls das Versickern der Niederschläge in das Grundwasser verhindert. Der prognostizierte Klimawandel wird die aufgezeigten negativen Effekte zukünftig verschärfen.

Eichen und Buchen wirken als Grundwasserfabriken

Standortgerechte Laubwälder sind in der Lage durchschnittlich pro Jahr und Hektar bis zu 800.000 Liter mehr Grundwasser zu bilden, als es Nadelwälder vermögen! Auch die biochemische Grundwasserqualität ist unter Laubwald deutlich besser als unter Nadelwald und vor allem sehr viel besser als unter landwirtschaftlichen Flächen.

Der Umbau von Nadelwäldern zu Laubwäldern hat daher einen signifikanten positiven Einfluss auf Menge und Güte der Grundwasserneubildung sowie den Erhalt empfindlicher Bachoberläufe, da die Speisung der Quellen durch mehr Grundwasser optimiert wird.

Diese Zusammenhänge in Wäldern sind wissenschaftlich anerkannt und ermöglichen ein erhebliches Handlungspotential für eine dauerhafte Anhebung von Quantität und Qualität der Grundwasserneubildung durch Waldumbau.

Grenzwerte der Europäischen Wassercharta werden mit Füßen getreten

Seit 15 Jahren werden in Wasserschutzgebieten so genannte freiwillige Vereinbarungen für den Wasserschutz im Rahmen der Feldbewirtschaftung zwischen den Ländern und den Waldbesitzern, speziell den Landwirten, in Wasserschutzgebieten geschlossen.

Ziel war es dabei, den kritischen EU-Grenzwert für die Sickerwasserbelastung von 50 mg/Liter Nitrat Auswaschung in Richtung Grundwasser zu erreichen. Die Arbeit war sehr erfolgreich, denn von der durchschnittlich 120 mg/Liter Nitrat Sickerwasser in konventioneller Landwirtschaft wurde durch intensive Beratung und Maßnahmen innerhalb der Wasserschutz-Kooperationen eine Grundwasserentlastung bis zu 70 mg/Liter Nitrat erreicht. Seit 2010 werden die Gelder für die Maßnahmen jedoch drastisch vom Umweltministerium gestrichen. Die Politik zieht sich Schritt für Schritt aus der Vorsorgeverpflichtung zurück und überträgt diese am Markt operierenden Wasserversorgungsunternehmen.

Die Motivation den EU-Grenzwert zu erreichen wird damit still unter den Tisch fallen gelassen. Fehlendes Engagement für das Grundwasser unserer Kinder ist eben unsichtbar, da sich die langfristigen Folgen erst spät zeigen. Dann sind sie allerdings unumkehrbar …

Grundwasservorsorge ist gelebte Ethik

Bei der Verteilung von reinem, gesundem Süßwasser haben wir die Aufgabe, Verantwortung und Ethik zu leben. Wasser ist keine Handelsware, es ist der Ursprung unseres Seins! Es geht um Sensibilität, Wertschätzung und Achtung im Umgang für das, was uns Nahrung und Existenz ermöglicht. Nur eine vitale Natur kann uns wertvolles, gesundes Süßwasser im nächsten Umfeld sichern

Wer gesundes Wasser wirtschaftlich entnimmt, ist im Rahmen der Solidargemeinschaft zugleich dafür verantwortlich, vitale Naturräume zu entwickeln die gesundes Wasser neu bilden können.

Die Wasserwerke, die Wasserversorgungsunternehmen und die Ministerien werden von individuellen Menschen geführt, jeder ist im Sinne der Nachhaltigkeit selbst verantwortlich für sein Handeln.

Die umfangreichen Gestaltungschancen für Mensch und Natur brauchen auf glaubwürdige Partner für die Zukunft, denn drei Dinge kehren nie zurück: „Der abgeschossene Pfeil, das gesprochene Wort und die verpasste Gelegenheit“.

Heiner Rupsch

Heiner Rupsch

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