Die Qualität des Trinkwassers am Beispiel der Hansestadt Hamburg

von Alexander Pillath, Geschäftsführender Vorstand Trinkwasserwald® e. V.

Ein wirklich guter Jahrgang! Über hundert Jahre alt, erfrischend und von hoher Qualität. Wir verbrauchen und trinken es – täglich rund 125 Liter pro Person. Die Rede ist vom Wasser, genauer vom Hamburger Trinkwasser. Und dieses Hamburger Wasser ist unter anderem hochwertiges „Heidewasser“, welches aus Tiefbrunnen in der Nordheide gefördert wird. Genau dieses Wasser ist zum Teil vor weit mehr als hundert Jahren in Form von Regen und Schnee auf den Heideböden versickert. Die Luft, die Umwelt und der Regen waren damals viel unbelasteter. Der Regen von vor hundert Jahren ist heute das Wasser in unserem Wasserhahn – und das ist wirklich ein guter Jahrgang!

Sauberes Wasser ist neben der mengenmäßigen Verfügbarkeit die Schlüsselressource für menschliche Gesundheit, gesunde Ökosysteme, sozialen Frieden und erfolgreiches Wirtschaften. Die schleichende und akute Verschmutzung unseres Wassers stellt eine Gefährdung für Mensch und Natur dar. Aber gutes, sauberes Wasser ist lebenswichtig. Wir Menschen bestehen zu etwa 70 Prozent aus Wasser. Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutiv Direktor des UN-Umweltprogramms prognostiziert, „dass mit zunehmender Weltbevölkerung die wasserreichen Regionen unser Lebenselixier mit den wasserarmen Regionen teilen müssen.“ Im Einfluss des fortschreitenden Klimawandels, der rasant ansteigender Weltbevölkerung und weiter wachsenden Märkten, verändern sich soziale, ökonomische und ökologische Balancen. Sauberes Wasser wird dabei eine der Leitressourcen sein.

Wie aber wird die Qualität des Hamburger Trinkwassers Generationen nach uns sein? Ein Großteil des Trinkwassergewinnungsgebietes in der Nordheide ist aktuell von Kiefern- und Fichtenwald bewachsen. Für die Neubildung von quantitativ und qualitativ hochwertigem Grundwasser haben derartige Wälder jedoch ungünstige Strukturen: In Nadelwald-Monokulturen bleibt im Winterhalbjahr viel Regen an den Nadeln haften und verdunstet, ohne in das Grundwasser zu gelangen. Zugleich entwickelt sich unter Kiefernwald eine starke Vergrasung, die ebenfalls das Versickern der Niederschläge in das Grundwasser verhindert. Der prognostizierte Klimawandel wird die aufgezeigten negativen Effekte zukünftig noch verschärfen.

Unter Laubwald ist die Grundwasserqualität deutlich besser als unter Nadelwald – und sehr viel besser als unter landwirtschaftlichen Ackerflächen, die intensiv gedüngt und zum Teil mit gesundheitsschädlichen Pestiziden versetzt sind.

Ausgeprägter Qualitätsunterschied zwischen Nadel- und Laubwald

Wegen fehlender Blätter gelangen im Winterhalbjahr in einem Laubwald erheblich weniger Schadstoffe aus der Luft ins Grundwasser. An den Nadeln von Kiefern, Fichten und Douglasien bleiben dagegen auch im Winter die Schadstoffe (z. B. Stickstoffverbindungen) aus der Luft hängen, die mit dem Sickerwasser in das Grundwasser weitergeleitet werden. Grundwasser unter Nadelwald hat daher eine deutlich höhere Schadstoffkonzentration als unter Laubwald. Keine guten Aussichten also für die Hamburger nach uns – ein bedenklicher „Wasser-Jahrgang“, den wir hier hinterlassen würden!

Qualitativ hochwertiges Wasser – auch in 100 Jahren?

Was können wir heute dafür tun, dass auch noch in 100 Jahren viel qualitativ hochwertiges Wasser in der Metropolregion Hamburg zur Verfügung steht? Vitale, intakte Landschaften mit ihren natürlichen Lebensraumstrukturen sind der Garant für einen funktionierenden Wasserhaushalt und „gutes“ Grundwasser. Sie müssen daher unbedingt erhalten bleiben, geschont oder wieder hergestellt werden. Natürliche Laubwälder um urbane Zentren wie Hamburg, generieren und sichern wertvolles Grundwasser auf besondere Weise: Standortheimische Laubwälder sind in der Lage, im Bundesmittel pro Jahr und Hektar bis zu 800.000 Liter mehr Grund- bzw. Trinkwasser zu bilden, als es die vorhandenen Nadelwald-Monokulturen vermögen! Ein Umbau der in der Nordheide vorherrschenden Kiefern- und Fichtenwälder in Laubwälder hätte daher einen besonders positiven Einfluss auf Menge und Güte der Grundwasserneubildung und letztlich auch für das Hamburger Wasser aus dem Hahn.

Trinkwasserwald® e.V. fördert daher aktiv den naturnahen Waldbau in der Metropolregion Hamburg und in ganz Deutschland, um unser Lebensmittel Nummer eins, das Trinkwasser, langfristig zu sichern und zu schützen. Denn wer qualitativ hochwertiges Wasser verbraucht, ist im Rahmen der Solidargemeinschaft aufgerufen, vitale Naturräume zu entwickeln, die qualitativ hochwertiges Wasser in ausreichender Menge neu bilden. Die Schaffung von natürlichen Laubwäldern bietet die einmalige Chance, die Verfügbarkeit unseres zentralen Lebensmittels deutlich zu vermehren. Wir Menschen sind ein Teil der Natur und jeder von uns hat die Möglichkeit, vor der eigenen Haustür eine gesunde Umwelt mit zu gestalten – für sich und die nachfolgenden Generationen.

Alexander Pillath ist Geschäftsführender Vorstand des Vereins Trinkwasserwald® e.V.

Hinterlasse einen Kommentar

Pflanzfeste

Keine Ergebnisse gefunden.

Spendenkonto


  • Trinkwasserwald® e.V.
  • IBAN: DE 4225 8516 6000 0059 5959
  • BIC: NOLADE21SOL

  • Kreissparkasse Soltau
  • Spendenkonto 59 59 59
  • BLZ: 258 516 60

Newsletter abonnieren