Werde Baumpate für Aufforstungsprojekt in Marnitz – für Artenvielfalt, gesunde Böden und besseres Trinkwasser

Landgrabbing – also die Aneignung von Grund und Boden in großem Stil für zweifelhafte Zwecke oder mit zweifelhaften Mitteln – ist nicht mehr nur ein fernes, afrikanisches oder asiatisches Problem. Branchenfremde Konzerne, Kapitalfonds und Privatinvestoren kaufen auch hier Land, Grünflächen, fruchtbaren Ackerboden sowie Wälder als Anlage und Spekulationsobjekt und in der Hoffnung auf satte Gewinne – besonders in Ostdeutschland: „In Teilen Ostdeutschlands soll bereits mehr als die Hälfte der Flächen landwirtschaftsfremden Unternehmen oder Anlegern gehören“.* Bereits „siebzig Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland gehören nicht mehr den Landwirten, die sie bewirtschaften“, hieß es anlässlich der im November 2015 von der grünen Europa-Abgeordneten und Milchbäuerin Maria Heubuch vorgestellten Studie „Landjäger – Europas Äcker im Ausverkauf“** zum Phänomen „Landgrabbing“ in Europa. Auch eine Studie*** der Europäischen Koordination Via Campesina und des Netzwerks „Hands off the Land“ zeigt die wachsende Konzentration von Ackerland in Händen einiger weniger:

  • Drei Prozent der 12 Millionen Bauernhöfe in der EU befinden sich im Besitz von Großgrundbesitzern mit mehr als 100 Hektar Land – die aber die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen kontrollieren.
  • Auch in Deutschland gewinnt die Landkonzentration an Fahrt: Von den rund 1,2 Millionen Bauernhöfen Mitte der Sechziger verblieben im Jahr 2010 noch 299.000 Betriebe.
  • Zwischen 1990 und 2007 verringerte sich die Fläche der Höfe, die über bis zu zwei Hektar Land verfügen, um rund 80 Prozent auf knapp 20.000 Hektar.
  • Dagegen dehnten große Betriebe mit mehr als 50 Hektar die bewirtschaftete Fläche von 9,2 auf 12,6 Millionen Hektar aus.

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Diese Zahlen belegen eindeutig den oft zu hörenden Ausspruch „wachse oder weiche“! Gleichzeitig weitet sich die agrarindustrielle Erzeugung in immer größeren landwirtschaftlichen Strukturen aus: Riesige Getreidefelder, Raps- und Maisplantagen werden wie Industrie-Anlagen betrieben und dienen nicht mehr als Anbauflächen für Nahrung, sondern als Cash Crop Plantagen – zum Beispiel für die Erzeugung von Tierfutter oder Bioenergie (z. B. Raps, Mais). Auch viele Wälder sind von dieser ausschließlich auf Gewinnstreben ausgerichteten Wirtschaftsweise betroffen: Wo sie natürlicherweise so nicht wachsen würden, entstehen Monokulturen aus schnell wachsenden Baumarten wie Douglasie, Fichte oder Kiefer für die Papier-, Möbel- und Verpackungsindustrie. Eine Mischform aus Land- und Forstwirtschaft wird als „Agroforstsystem“ bezeichnet: Hier werden zur Energieholzgewinnung sogenannte Kurzumtriebsplantagen (KUP) aus Pappel- oder Weidenklonen angelegt und maschinell geerntet (siehe hierzu auch: Gunter Willinger, Wie Holzpellets die Wälder ruinieren“, www.spektrum.de, Stand: 1.2.2016). Die negativen Folgen sind heute bereits sichtbar:

  • Die Preise für Landwirtschafts- und Waldflächen werden in die Höhe getrieben. Insbesondere Kleinbetriebe können Kaufpreise und Pachten kaum noch tragen.
    Die Pachtpreise sind teilweise nicht mehr reell – das heißt der Pachtpreis kann mit herkömmlicher Bewirtschaftung nicht mehr erwirtschaftet werden. Beweggrund der Landwirte sind Fördergelder beziehungsweise die Möglichkeit, über die vorgehaltene Fläche entsprechende Großvieheinheiten inklusive Gülleverklappung halten zu können.
  • Natürliche Lebensräume schwinden und mit ihnen die biologische Vielfalt. Stattdessen entstehen eintönige, ausgeräumte Agrarlandschaften, Nadelwald-Monokulturen und Kurzumtriebsplantagen.
  • Erdverwehungen – große Felder ohne Begrenzungen durch Knicks, Sträucher und Wälder halten die aufgewirbelte Erdschicht nicht auf (z. B. stehen vermehrt Achtungsschilder „Staub“ an niedersächsischen Autobahnen. Extremfall: Im Jahr 2011 starben bei Rostock zehn Menschen bei einer Massenkarambolage. Plötzlich aufgewirbeltes Erdreich hatte die Sicht genommen).
  • Der Mischwald als vitaler Lebensraum für Pflanzen und Tiere sowie als Erholungsraum für Menschen schwindet.
  • Zur Produktionssteigerung ausgebrachte Pflanzenschutz- und Düngemittel und darin enthaltene Schwermetalle und Schadstoffe belasten die Böden, das Klima und das Grundwasser.
  • Fruchtbarer Ackerboden geht für den Nahrungsanbau verloren.
  • Hohe Nitratwerte belasten das Grundwasser
  • Monokulturen können wichtige Schutzfunktion für Boden, Wasser und Klima nicht erfüllen.

Vitale Mischwälder sind der Garant für unser wichtigstes Lebensmittel – sauberes Trinkwasser

Wälder sind ein komplexes Ökosystem, mit einer großen Anzahl von Lebewesen und stehen in direkter Wechselwirkung mit Wasser- und klimatischen Kreisläufen. Sie bieten Biodiversität und sind mit ihren Tieren und Pflanzen sowie Holz- und Energievorräten Garanten unseres Reichtums. Jede Pflanzen- und Tierart erfüllt eine bestimmte Aufgabe. Die unterschiedlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Lebewesen im Wald prägen das Zusammenleben und die weitere Evolution der Arten.

Der vitale Mischwald speichert und reguliert außerdem unser zukünftiges Trinkwasser, filtert es zuvor jedoch so gut, dass das Sickerwasser in der Regel den Qualitätsvorgaben der EU-Wassercharta entspricht. Die „Grundwasserspende“ erhöht sich mittelfristig je nach Standort um 50 bis 120 Liter pro Jahr und Quadratmeter. Und nur hier wird auch der Grenzwert von unter 50 mg Nitrat Belastung pro Liter eingehalten.

Das Grundwasser, von dem wir jetzt leben und profitieren, ist vor einigen hundert Jahren entstanden – als die Natur noch in Ordnung war. Aber diese bisher sehr gute Grundwasserqualität in Deutschland sinkt. Unter anderem bereiten Nitrate, eingebracht durch intensive Landwirtschaft, und Medikamentenrückstände Probleme. So sind 306 von 1203 „Grundwasserkörpern“ aufgrund einer hohen Nitratbelastung in einem schlechten Zustand. Das teilte die Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage mit, wie die „Frankfurter Rundschau“ im September 2015 berichtet hat.

Landwirt_Pestizid_spritzen_Traktorbiota – das Institut für ökologische Forschung und Planung GmbH schreibt im Auftrag des Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie, Mecklenburg-Vorpommern, in einer Veröffentlichung von 2009 zur Regionalisierung der Nährstoffbelastung in Oberflächengewässern in Mecklenburg-Vorpommern: „Hohe Einträge der Pflanzennährstoffe Stickstoff und Phosphor in die Oberflächengewässer sind nach wie vor eines der Hauptprobleme des Gewässerschutzes in Mecklenburg-Vorpommern (LUNG M-V 2008). Beim Grundwasser gibt es nach wie vor Defizite im oberflächennahen Grundwasserleiter. Dies betrifft insbesondere die Nitratbelastung, wo regional die Qualitätsnormen der EU-Nitrat- und der EU-Grundwasserrichtlinie um ein Vielfaches überschritten werden. Maßgebliche Eintragspfade werden auch hier durch die landwirtschaftlichen Flächennutzungen bestimmt.“

Auch der Grundwasserstand sinkt. So berichtet Dr. Beate Schwerdtfeger vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie, Mecklenburg-Vorpommern, in einem Vortrag 2012: „In vielen Landesmessstellen zeigt der Wasserstand in den langjährigen Beobachtungsreihen einen deutlichen fallenden Trend. Ursachen hierfür können sowohl klimatische Veränderungen als auch der langfristige Einfluss der Landwirtschaft sein, der neben Drainage auch in höherem Pflanzenentzug durch Ertragssteigerung besteht.“

Schaffen wir einen biologischen Hotspot für Artenvielfalt, gesunde Böden und besseres Trinkwasser – werde Baumpate!

Die oben genannten Beispiele für den Raubbau an der Natur und den damit einhergehenden Verlust biologischer Vielfalt machen klar, dass es nicht mehr nur Natur- und Umweltschützer angeht, wenn die Vielfalt des Lebens, die Biodiversität, schwindet. Dabei kann es so einfach sein und jeder kann mitmachen!

 

Die Kooperationspartner Trinkwasserwald® e. V. und PrimaKlima – weltweit – e. V. möchten gemeinsam mit der Marnitzer Bevölkerung auf einer Brachfläche in Marnitz (Mecklenburg-Vorpommern) den ersten Teil einer Aufforstungsaktion realisieren und einen Waldrand mit Esskastanie, Elsbeere, Bergahorn­ und Vogelkirsche pflanzen. Dadurch entsteht später eine biotopreiche Übergangszone zwischen Wald und Feld, ein Rückzugsgebiet für viele Tier- und Pflanzenarten.

Insgesamt sollen für die Waldrandbepflanzung 2.470 Bäume in die Erde gebracht werden. Olympus Deutschland GmbH hat bereits 2.000 Baumpatenschaften übernommen. Mit einer Spende von 5,- Euro an Trinkwasserwald® e.V. unterstützen auch Sie diese Aktion und übernehmen eine der restlichen 470 Baumpatenschaften! 

Pflanzfest am 19. November 2016

Aufforstungsflaeche in Marnitz

Luftaufnahme der Aufforstungsfläche in Marnitz inklusive Pflanzplanung

Die große Pflanzaktion in Marnitz für die ganze Familie, veranstaltet von Trinkwasserwald® e. V., findet am 19. November 2016, pünktlich um 12.00 Uhr statt: Freiwillige Helfer aus der Bevölkerung bepflanzen dabei unter fachmännischer Anleitung den Waldrand. Für Verpflegung ist gesorgt. Bitte einen Spaten mitbringen (falls vorhanden).

Die Aktion markiert den Start der Aufforstung einer 1,4 Hektar großen Brachfläche und erhöht später die Vielfalt im Waldbestand – und sie bedeutet gleichzeitig ein ökologisches Trittbrett von Fläche zu Fläche, von Biotop zu Biotop, von biologischem Hotspot zu biologischem Hotspot. Der Schweriner Eigentümer möchte das Areal im Anschluss standortgerecht aufforsten – damit nachhaltig zur Klimaverbesserung beitragen und etwas Bleibendes hinterlassen. Die Fläche liegt gegenüber der Marnitzer Agrargenossenschaft an der Ruhner Straße (Ecke Karl­-Marx-­Straße), wurde vor der Wende von der damaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) genutzt und war teilweise bebaut. Hintergrundinformationen zum Projekt finden Sie hier

Jetzt Spenden und Baumpate in Marnitz werden

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* Wie man in den Wald investiert, so zahlt es sich aus. aus: Die Welt online, 23.07.2015, http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article144362043/Wie-man-in-den-Wald-investiert-so-zahlt-es-sich-aus.html

** Landjäger – Europas Äcker im Ausverkauf. Studie herausgegeben von Maria Heubach, MdEP, November 2015. Die Studie ist hier abrufbar: http://www.maria-heubuch.de/fileadmin/heubuch/pdf/151113_EU_GRUENE_Landgrab_web.pdf

*** Landkonzentration, Land Grabbing und Widerstand in Europa. Studie der Europäischen Koordination Via Campesina (ECVC) und des Netzwerks „Hands off the Land“ (HOTL), April 2013. Die Studie (englisch) ist hier abrufbar: http://fian.at/assets/Uploads/Land-in-Europe.pdf

Herr Wald

Herr Wald

1 Kommentar

    • Ronnie

      Endlich passiert hier mal was gegen die Agrarwüste. Habe die Studie „Landjäger-Europas Äcker im Ausverkauf“ quergelesen – Danke für die Information – und bin erschrocken. Wusste nicht, dass Landgrabbing auch bei uns solche Ausmaße hat. Schön, dass sich hier mal jemand ins Zeug legt.

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